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	<title>Hirngeschichten</title>
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	<description>guckst du noch oder denkst du schon?</description>
	<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 14:52:23 +0000</pubDate>
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		<title>An das Hirn</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 14:52:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Barfuss]]></category>

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		<description><![CDATA[Da war doch noch etwas. Was war das noch? Ach ja. Ich erinnere mich. Dafür muss ich lange und hartnäckig in den einsamsten Winkeln meines Kopfes stöbern. Hirn. Hirn, ja so nannte er sich. Hirn hatte Ideen, hatte Vorstellungen, hatte Visionen und Ziele, hatte Motivation und war voller Hoffnung. Er interessierte sich für alles Mögliche, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da war doch noch etwas. Was war das noch? Ach ja. Ich erinnere mich. Dafür muss ich lange und hartnäckig in den einsamsten Winkeln meines Kopfes stöbern. Hirn. Hirn, ja so nannte er sich. Hirn hatte Ideen, hatte Vorstellungen, hatte Visionen und Ziele, hatte Motivation und war voller Hoffnung. Er interessierte sich für alles Mögliche, versuchte alles Mögliche. Hirn begegnete anderen Hirnen, die sich allerdings anders nannten. Das war nicht weiter schlimm, bis eines Tages Sätze fielen, die sich ihm ins Hirn einbrannten. <span id="more-209"></span>Sätze, die dort zu kreisen begannen, langwierige Schleifen zogen, viele Gedanken produzierten, Gedanken, die ihre Bestätigung in der Welt suchten, Gedanken, deren Traglast immer schwerer wurde, Gedanken, die sich wichtig machten, Gedanken, die sich umso mehr aufblähten, je unangenehmer Situationen wurden.<br />
Und dann geschah ES: er verlor sein Vertrauen. Er vermisste es, also ging er es suchen und versuchte die Verzweiflung neben sich zu verscheuchen. Die aber wollte ihn unbedingt begleiten und raunte ihm ständig seltsame Vorschläge ins rechte Ohr. Vorschläge, die er verstand, Dinge, die er alle schon getan hatte. Es schien alles kompliziert, viel komplizierter als es war und er sehnte sich nach Einfachheit. Die aber hatte das Vertrauen begleitet und wollte ohne diese nicht sein. Als er sich umblickte, stellte er fest, dass sich auch noch andere Reisebegleiter dazu gesellt hatten. Eine richtig eigenwillige Reisegruppe hatten sie alle gebildet. Da waren noch einige Zweifel, diverse Ängste, eine kleine Traurigkeit und die Mutlosigkeit wollte ständig nur Pause machen, anstatt zu suchen. Man hätte meinen können, die Vernunft wäre auch dabei gewesen, aber die konnte diesmal nichts dafür, die hielt sich diesmal raus. So reisten sie gemeinsam eine Weile, die wie eine halbe Ewigkeit erschien. Das war nicht immer einfach, aber das Unterwegssein hielt sie zumindest bei Laune, unterwegs ist auch immer mehr Platz. Eines Tages war die Reise zu Ende, das Vertrauen blieb verschwunden, und als sie nach Hause zurückkehrten, stellten sie fest, dass sie kaum noch alle in dem begrenzten Wohnraum Platz hatten, weil sie auch gleich noch die ganze Welt mit reinstopfen wollten. Aber auch ohne die Welt, hätte der vorhandene Raum kaum gereicht. Anfangs dachten sie, die Wände wären näher gerückt, aber das war es nicht. Die Reisegruppe war einfach zu groß geworden und als das Vertrauen mit der Einfachheit eines Tages aus freien Stücken an die Tür klopften und wieder nach Hause wollten, konnten sie nicht rein, weil da einfach kein Platz mehr war. Also blieben sie draußen und warteten so lange, bis sich auch noch die Geduld dazu gesellte. Als die Reisegruppe drinnen über diese Situation diskutierte, stellten sie fest, dass die Kunst ihrer gemeinsamen Reise darin bestand, wieder nach Hause zu kommen, und den begrenzt wirkenden Raum zu ertragen, in dem es immer stickiger zu werden schien. Draußen vor der Tür wurde es auch immer geselliger, denn inzwischen hatte sich auch noch die Ungeduld dazu gesellt und war in einen heftigen Streit mit der Geduld geraten. Die Ungeduld behauptete nämlich von drinnen heftige Röchellaute vernehmen zu können, und wollte die Tür eintreten, um zumindest ein wenig zu lüften. Nachdem Geduld und Ungeduld eine Weile verhandelt hatten, vereinbarten sie schließlich die Tür nicht einzutreten und keine Gewalt anzuwenden, sondern rund um sie einen Zubau zu errichten, so dass sie es sich auch gemütlich machen konnten, reichlich Platz hatten und nicht mehr im Regen stehen mussten. Als sie bereits mit Kreide den Verlauf der Fundamente gezeichnet hatten, spazierte die Vernunft vorbei und erklärte ihnen, dass ihr Vorhaben zum Scheitern verurteilt sei, weil sie doch gar keine Baugenehmigung hätten. Allerdings gäbe es da einen Trick, den sie ihnen verraten würde, wenn sie ihm auch einen Raum geben würden. Sie willigten ein, und sie erzählte ihnen, dass sie lediglich virtuelle Räumlichkeiten benötigen würden, das würde für ihr Bestehen völlig reichen, und die Sache mit Baugenehmigungen, Zement und Grabearbeiten würde sich erübrigen. Also begannen sie virtuell zu bauen, und mimten die Laute von Schaufeln, Hämmern und Sägen, damit die in dem Wohnraum auch mitbekamen, dass es draußen vor der Tür ganz geschäftig zuging. Drinnen blieb es zwischenzeitlich beengt und als die Laute von draußen an die Ohren der Reisegesellschaft vordrangen, tauchte drinnen auch noch die Unruhe auf, und begann sich breit zu machen. Das wurde dann doch allen zuviel, und man wies eine der Ängste an, mal durch den Türspion rauszuschauen, was da vor der Tür denn so vor sich ginge. Die besagte Angst weigerte sich anfangs, und beklagte, dass man ihr damit schon sehr viel zumute, wagte es schließlich doch, und berichtete, dass sie keine Ahnung hätte. Vor der Tür wäre ungewöhnlich viel los, alle dort schien an einer Art unsichtbaren Gebäude zu werken und dabei Laute zu mimen. Sie hielt das ganze Szenario für einigermaßen furchteinflössend, allerdings nahm das niemand so ernst, wusste man nur zu gut, wie Ansichten einer Angst einzuschätzen waren. Daraufhin zog die Unruhe gezwungenermaßen ein wenig den Bauch ein, weil jetzt auch noch die Ratlosigkeit dazugekommen war, sich mit einem breiten Grinsen aufblähte und alle anderen an die Wand quetschte. Da bekamen sogar die Zweifel Angst und hielten die Mutlosigkeit, die vor der Tür gepresst stand, dazu an, die Einfachheit draußen um Rat zu fragen. Wie man sich vorstellen kann, war die Mutlosigkeit von diesem Vorschlag wenig begeistert, bekam aber selber kaum noch Luft und als die Verzweiflung ihr auch noch auf die Zehen stieg, quietschte sie der Einfachheit draußen förmlich alle ihre drückenden Fragen zu. Die Einfachheit meinte, sie müssten nur die Türe öffnen, dann könnte sie rein und sich die Situation mal ansehen. Aber aufgrund der erdrückenden Fülle ging die Tür jetzt von selber nicht mehr auf, der Druck auf die Tür war einfach zu groß, keiner von ihnen konnte sich mehr bewegen. Also versuchte die Einfachheit durch den Spion und das Schlüsselloch reinzublicken und sich ein Bild zu machen. Selbsterklärend war alles, was sie sah, Mutlosigkeit. Also nahm sie die Vernunft an der Hand und sie blickten durch das große Fenster, um einen Einblick zu bekommen. Sie staunten nicht schlecht, als sie sahen, was sie sahen, diese aufgeblähte Ratlosigkeit, die alle anderen an die Wand presste. Da erblickte die Vernunft Hirn und winkte ihm zu. ‚Die Sätze! Du musst die Sätze mit denen das hier angefangen hat neu ordnen! Du musst ihnen einen angemessenen Raum zuteilen!’ rief sie ihm zu. Hirn wusste nur zu gut, wovon sie sprach und bekam kaum noch Luft, war aber von den Zweifeln umzingelt und als er dann noch die an die Tür gepresste Mutlosigkeit ansah, seufzte er, sah die Vernunft kopfschüttelnd an, während die kleine Traurigkeit neben ihm immer größer wurde, die Ratlosigkeit allerdings ein wenig schrumpfte. Also lief die Einfachheit schnell, und schob das Vertrauen vor das Fenster und als diese so vor dem Fenster stand und schweigend mit traurigen Augen Hirn anblickte, da wusste er, da wusste er, dass ihm nichts mehr zu mühevoll war. Also nahm er die Sätze und betrachtete sie von allen erdenklichen Seiten, sortierte sie nach der Bedeutung, die er ihnen schenken wollte, sortierte sie nach der Wirkung, die er ihnen erlauben wollte, sortierte sie nach dem Einfluss, den er ihnen zugestehen wollte, und wies ihnen nur so viel Raum zu, wie sie tatsächlich benötigten. Und während er das tat, schrumpften seine Reisebegleiter, schrumpften die Zweifel, diverse Ängste, die Traurigkeit sowie alle anderen, die sich dazu gesellt hatten. Sie schrumpften alle auf ein erträgliches Maß, wodurch wieder ungeheuer viel Platz entstand, genug Platz, um die Tür zu öffnen, genug Platz um alle von draußen reinzuholen und auch als alle drinnen waren, blieb noch jede Menge Raum, als ob die Wände wieder von ihnen abgerückt wären. Dabei waren sie alle nur mehr genauso groß, wie sie tatsächlich waren, und keiner grämte sich darüber. Vielleicht taten sie nachher alle so, als ob nichts gewesen wäre, vielleicht feierten sie auch ein Fest, vielleicht vergaßen sie auch ganz schnell wieder diese Geschichte. So irgendwie muss das wohl gewesen sein.<br />
Und da sitze ich nun, in dem einsamen Winkel meines Kopfes und frage mich, wo er wohl hingekommen ist, in welchen einsamen Winkel er sich zurückgezogen haben mag, dieser Hirn. Vielleicht versteckt er sich, vielleicht ruht er auch nur ein bischen hinter Stapeln von Büchern, damit er wieder zu Kräften kommt. Vielleicht dauert seine Reise auch nur etwas länger, als er geahnt hat.</p>
<p>i(n) A(ltersteilzeit) Martina Hirnschraubenzieher</p>
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		<title>ANSICHTENKARTE: MATRONAS</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 08:36:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gedachtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Da die aktiven Berufsgruppen Russlands hauptsaechlich aus Frauen zu bestehen schienen, kamen wir nicht umhin, auch mit einer speziellen Variante der weiblichen Bevoelkerung konfrontiert zu werden, die wir - mehr oder eigentlich viel weniger liebevoll - &#8220;Matronas&#8221; zu nennen pflegten. Dabei handelte es sich um Frauen vorzugsweise ueber 50 Lenzen, manches Mal von korpulenter Natur, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da die aktiven Berufsgruppen Russlands hauptsaechlich aus Frauen zu bestehen schienen, kamen wir nicht umhin, auch mit einer speziellen Variante der weiblichen Bevoelkerung konfrontiert zu werden, die wir - mehr oder eigentlich viel weniger liebevoll - &#8220;Matronas&#8221; zu nennen pflegten. <span id="more-205"></span>Dabei handelte es sich um Frauen vorzugsweise ueber 50 Lenzen, manches Mal von korpulenter Natur, immer jedoch mit Kurzhaarfrisur, die schnell und einfach durch ihr versteinertes Minenspiel zu identifizieren waren. Aufgrund der wenig herzerwaermenden Atmosphaere, die sich wie ein eisiger Mantel um sie sowie ihr Umfeld im Umkreis von ca. 5 m legte, und des bereits erwaehnten Minenspiels wirkte es durchaus so, als haetten die &#8220;Matronas&#8221; bereits mit oder auch gegen die Bolschewiken gekaempft, und damit im Grunde nie aufgehoert. Jedes erneut auftauchene Gegenueber beschwor somit gleichsam einen neuerlichen Klassenkampf herauf, auch wenn es darum thematisch eigentlich gar nicht ging.<br />
Die &#8220;Matronas&#8221; wurden von uns zutiefst gefuerchtet, da sie ueblicherweise roboterhaft russischen Texte vor sich hindonnerten, Gestiken verweigerten, und ueberhaupt alles, was in dem Programm, das sie runterspulten, nicht vorhanden war, hartnaeckig zu ignorieren versuchten. Fremdlinge wie wir erschienen da bestenfalls wie ein gefundenes Fressen, das zerkaut, widergekaeut, hernach jedoch fuer ungeniessbar erachtet und wieder ausgespuckt wurde. Auf alle Faelle waren die &#8220;Matronas&#8221; dafuer beruehmt, sich keinen Millimeter aus ihrer Starre zu bewegen, und es erschien relativ muehevoll, ihnen ein Zugticket, eine Internetverbindung oder sonst etwas abzuringen. Unser geschulter Blick lies uns mit der Zeit die &#8220;Matronas&#8221; in Form von Schalterbeamtinnen geschickt vermeiden, indem wir uns zuerst um die Schalterfenster herumschlichen, um selbige eingehend zu inspizieren und ein geeignetes Opfer unserer Wahl (ublicherweise hilfsbereite Frauen zwischen 30 und 40 Lenzen) geschickt anzupeilen. Gluecklicherweise konnten wir feststellen, dass es nicht mehr viele von den &#8220;Matronas&#8221; gibt und - es werden immer weniger.</p>
<p>i.A. Martina F.<br />
(Ansichtenkarten beschreiben willkuerlich gewaehlte Ansichten, mit Anspruch auf absolute Subjektivitaet)</p>
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		<title>BANALITAETEN VOM FEINSTEN: LEITUNGEN</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 08:32:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gedachtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Leitungen erscheinen uns in den verschiedensten Formen als wichtig und ueblicherweise geht man davon aus, dass sie, wenn sie schon vorhanden sind, auch funktionieren. Tun sie das nicht, geht man gleichermassen davon aus, dass dem auch entsprechend entgegen gewirkt wird.
Nicht so in Tobolsk, einem kleinen Staedtchen Sibiriens, das man gerade fuer touristische Zwecke heruaszuputzen versucht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leitungen erscheinen uns in den verschiedensten Formen als wichtig und ueblicherweise geht man davon aus, dass sie, wenn sie schon vorhanden sind, auch funktionieren. Tun sie das nicht, geht man gleichermassen davon aus, dass dem auch entsprechend entgegen gewirkt wird.<br />
Nicht so in Tobolsk, <span id="more-202"></span>einem kleinen Staedtchen Sibiriens, das man gerade fuer touristische Zwecke heruaszuputzen versucht, sich dabei bisher allerdings lediglich auf die zentralen Bauwerke beschraenkte, touristische Infrastruktur jedoch noch weitgehende ignorierte.<br />
So kam es denn in Tobolsk zu jener unverhofften Situation, dass wir in Ermangelung vorhandener Cafes oder Restaurants vom Hunger getrieben auf unser Hotelzimmer zurueckkehrten, um uns dort an unserem mitgefuehrten Reiseproviant entsprechend zu laben. Als wir voller Vorfreude auf die vermeintliche Verkoestigung das Zimmer betraten, irritierten uns seltsame Geraeusche, wie sie ublicherweise nur Fluessigkeiten in groesseren Mengen von sich zu geben pflegen. Ein kurzer Blick in das als Geraeuschquelle identifizierte Badezimmer genuegte, um festzustellen, dass die Bewohner des Zimmers ueber uns ganz offensichtlich duschten. Die halb weggebrochene Badezimmerdecke war uns zwar bereits zuvor ins Auge gestochen, dass sie allerdings nicht Ausdruck eines langsam dahin sickernden Dichtungsproblems darstellte, war uns bis zu dem Moment als wir den Duschbereich ohne eigenes Zutun als duschbereich definieren konnten, nicht klar. Fasziniert und gleichermassen fassungslos betrachteten wir die Rinnsale und Tropfenspiele in dem Teilbereich der gemieteten Raeumlichkeiten, um uns letztlich schulterzuckend doch wieder dem fundamentaleren Beduerfniss der Nahrungsuafnahme zuzuwenden, anstatt hektisch der Rezeptionistin auf nicht-russisch nichts erklaeren zu koennen. Die Dusche hatte logischerweise auch irgendwann ein Ende, sowie das Plafongetropfe in unserer Etage. Nicht ohne Grund schien man in diesem Hotel an allen Ecken und Enden mit grossflaechig angelegten Sanierungsmassnahmen beschaeftigt zu sein.<br />
Letztere Ambitionen konnte man im schick designten und glamouroes ausgestaten Bahnhof in Omsk vorerst noch nicht orten, obwohl dort doch ein einzelner Blecheimer mitten in der pulsierenden Schalterhalle mit lauten regelmaessigen Trommelschlaegen der Tropfen nach dem Regen deutlich darauf hinwies, dass es durchaus angebracht sei, gelegentlich den eigenen Blick zur hoch darueber liegenden Raumdecke zu erheben, und sich wasserfestere Argumente zum Erhalt des ewig Schoenen auszudenken.</p>
<p>i.A. Martina F.</p>
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		<title>SCHRAUBENZIEHERWEISHEIT Nr. 97</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 08:23:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hirnloses]]></category>

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		<description><![CDATA[Es bringt relativ wenig, einen Zug, mit dem man fahren moechte, in seine Einzelteile auseinander zu schrauben.
i.A. Martina Hirnschraubenzieher
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es bringt relativ wenig, einen Zug, mit dem man fahren moechte, in seine Einzelteile auseinander zu schrauben.</p>
<p>i.A. Martina Hirnschraubenzieher</p>
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		<title>SCHRAUBENZIEHERWEISHEIT Nr. 98</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 08:21:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hirnloses]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230;Es sei denn, der Zug ist zuvor bereits von selbst auseinander gefallen und man moechte dessen klaegliche Ueberreste an einen Schrotthaendler verscherbeln, um sich ein Flugticket zu besorgen.
i.A. Martina Hirnschraubenzieher
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;Es sei denn, der Zug ist zuvor bereits von selbst auseinander gefallen und man moechte dessen klaegliche Ueberreste an einen Schrotthaendler verscherbeln, um sich ein Flugticket zu besorgen.</p>
<p>i.A. Martina Hirnschraubenzieher</p>
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		<title>Josef, Hunger!</title>
		<link>http://www.hirngeschichten.de/2009/07/20/josef-hunger/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alfred Hirn</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hirnloses]]></category>

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		<description><![CDATA[Josef - Hunger, tanzender Pseudomönch, leicht beschwipst, 100% soul, Josef - Hunger! Fresse kaufen - Mönch, säuft. Kamel, Josef, Hunger.
Alter Kranich muss aufs Klo - Klo kaufen. Lahme Musik, Shit, Jusuf trinkt, schrecklich, alle sterben, tragisch, tod &#8230;
Da Meister is in da house - da Hausmeister - Yosef - hat Hunger, Berlin, Berlin, 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Josef - Hunger, tanzender Pseudomönch, leicht beschwipst, 100% soul, Josef - Hunger! Fresse kaufen - Mönch, säuft. Kamel, Josef, Hunger.</p>
<p>Alter Kranich muss aufs Klo - Klo kaufen. Lahme Musik, Shit, Jusuf trinkt, schrecklich, alle sterben, tragisch, tod &#8230;</p>
<p>Da Meister is in da house - da Hausmeister - Yosef - hat Hunger, Berlin, Berlin, </p>
]]></content:encoded>
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		<title>ein kaufen</title>
		<link>http://www.hirngeschichten.de/2009/07/18/ein-kaufen/</link>
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		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 07:32:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alfred Hirn</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hirnloses]]></category>

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		<description><![CDATA[ein kaufen
kurve-kriegen
kurve-schneiden
chatten
im schatten chatten
most saufen
ein kaufen
most kaufen
bier saufen
weg fressen
kurve fressen
im schatten saufen
most kaufen
kurve kaufen
schnitzel saufen
melonensuppe kaufen
ein kaufen
ver kaufen
weg saufen
im schatten kurve chatten
schnitzel schneiden
bier kaufen
ein saufen
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			<content:encoded><![CDATA[<p>ein kaufen<br />
kurve-kriegen<br />
kurve-schneiden<br />
chatten<br />
im schatten chatten<br />
most saufen<br />
ein kaufen<br />
most kaufen<br />
bier saufen<br />
weg fressen<br />
kurve fressen<br />
im schatten saufen<br />
most kaufen<br />
kurve kaufen<br />
schnitzel saufen<br />
melonensuppe kaufen<br />
ein kaufen<br />
ver kaufen<br />
weg saufen<br />
im schatten kurve chatten<br />
schnitzel schneiden<br />
bier kaufen<br />
ein saufen</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.hirngeschichten.de/2009/07/18/ein-kaufen/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>DER KAPITALE DENKFEHLER</title>
		<link>http://www.hirngeschichten.de/2009/07/11/der-kapitale-denkfehler/</link>
		<comments>http://www.hirngeschichten.de/2009/07/11/der-kapitale-denkfehler/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Jul 2009 09:13:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gedachtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir schlagen ein neues Kapitel auf. Dudens Fremdwörterbuch, ISBN 3-411-20915-1, Seite 386.
„kapital [lat.]: a) von solcher Art, dass die betreffende Person oder Sache alles Vergleichbare übersteigt; b) außerordentlich groß, stark (Jägerspr.).
Kapital [lat.–it.] das; -s, -e u. ein […ein] (österr. nur so): 1.a) (ohne Plural) alle Geld- und Sachwerte, die zu einer Produktion verwendet werden, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir schlagen ein neues Kapitel auf. Dudens Fremdwörterbuch, ISBN 3-411-20915-1, Seite 386.<br />
„kapital [lat.]: a) von solcher Art, dass die betreffende Person oder Sache alles Vergleichbare übersteigt; b) außerordentlich groß, stark (Jägerspr.).<br />
Kapital [lat.–it.] das; -s, -e u. ein […ein] (österr. nur so): 1.a) (ohne Plural) alle Geld- und Sachwerte, die zu einer Produktion verwendet werden, die Gewinn abwirft; b) Wert des Vermögens eines Unternehmens; Vermögen[sstamm]. 2.a) verfügbare Geldsumme, die bei entsprechendem Einsatz Gewinn erbringt;  - aus etwas schlagen: Nutzen, Gewinn aus etwas ziehen; b) verfügbarer kleinerer Betrag an Bargeld. 3. (ohne Plural) Gesamtheit der kapitalkräftigen Unternehmen [eines Landes]. 4. gewebtes [buntes] Band, das vom Buchbinder an die Ober – und Unterkante des Buchblockrückens geklebt wird (Buchw.).“<span id="more-185"></span></p>
<p>Wir sind uns einig. Ein Kapitel ist etwas völlig anderes als ein Kapital. Was sie auf den ersten Blick zu unterscheiden scheint, ist lediglich ein einziger Buchstabe! Wir alle wissen jedoch, dass es gleichzeitig Welten sind. </p>
<p>Konzentrieren wir uns zu allererst auf die Definition unter Punkt 4. Diese gewebten Bänder an Buchrücken, wir wissen, was damit gemeint ist, wir haben sie alle schon betrachtet, obwohl sie sich unserem aufmerksamen Blick zumeist entziehen, sich unter einem Kartonbuchrücken vor unseren neugierigen Augen verbergen, es sei denn, ein Buch wird langsam alt und abgegriffen, beschließt sich aufzulösen, beschließt das, was ohnedies immer da war, noch offensichtlicher zu machen, beschließt, den Buchdeckel schön langsam zerfallen zu lassen, den Kleber aufzulösen. Eigentlich stört uns das, wenn ein Buch so etwas unverhoffterweise macht, einfach so, ich meine, was soll denn das, so ein halbzerfallenes Buch. Das Kapitalband hält üblicherweise die Buchseiten noch etwas länger zusammen, auch wenn wir den Buchrücken schon eine Weile verärgert bei seinem Auflösungsprozess beobachten können. Dennoch schreitet der Zerfall munter voran. Zwangsläufig beginnen sich irgendwann doch noch Einzelseiten zu lösen, versuchen hinwegzuflattern, sich ihren Weg in die Freiheit zu suchen, obwohl wir das doch gar nicht wollen. Denn, was wir wollen, ist ein ganzes Buch, eines mit allen Seiten, eines, dessen Einzelteilen wir nicht unablässig nachlaufen müssen, nur weil sie es sich plötzlich anders überlegt haben, eines, das wir einfach im Griff behalten können. Schon die Bücher zeigen uns, dass das nicht immer so läuft, auch wenn es mit Sicherheit qualitätsbedingt ist, ab wann sich ihre ersten Alters- oder Abnutzungserscheinungen zeitigen. Aber diese Bücher zeigen uns möglicherweise auch, dass so ein von Menschen gemachtes Kapital auf einem Buchrücken, wie auch wir selber, nicht von Dauer ist und, möchte man dem entgegen wirken, gelegentlich einer Reparatur bedarf. Ob das nun unserem durchaus ernst gemeinten beständigen Griff gefallen mag oder nicht. Der Unterschied liegt lediglich darin, wofür wir uns im nächsten Schritt entscheiden, ob wir uns überlegen, wie man so ein zerfallendes Buch als Buch retten kann, ob wir es dann mit etwas Haushaltskleber wieder behelfsmäßig zusammenpappen, bis es irgendwann vielleicht wieder zerfällt, ob wir das Zerfallsstadium des Buches einfach akzeptieren und es so lassen wie es ist, ob wir schlichtweg darauf vertrauen, dass der Buchbinder schon wissen musste, was er getan hatte, und alles seine Berechtigung hätte, so wie es ist, ob wir uns vielleicht sogar dazu hinreisen lassen, gleich das ganze Buch zu entsorgen oder ob wir das Buch zu einem Buchbinder tragen und verlangen, dass es fachgerecht wiederhergestellt wird. </p>
<p>Konzentrieren wir uns nun auf die Definitionen unter Punkt 1, 2 und 3 samt Unterpunkten. Diese Definitionen des Begriffes „Kapital“ klingen für uns doch gleich viel vertrauter, wenn auch wahrscheinlich Punkt 2. b) im Sinne von „verfügbarer kleinerer Betrag an Bargeld“ für die meisten von uns der Allerliebste oder zumindest der Vertrauteste ist.<br />
Betrachten wir Punkt 1 und 2, herrscht zumeist unumstrittene Einigkeit per Definitionem. Da geht es um Geld- und Sachwerte, die eingesetzt werden, um Gewinne zu erzielen oder ein Vermögen zu definieren. Nützlich ist das irgendwie auch noch. Lediglich Unterpunkt 2. b) – schon wieder – scheint, möglicherweise auf Grund seiner Kleinheit, hier nicht mit den Begriffen Nutzen, Vermögen oder Gewinn unmittelbar in Verbindung gebracht zu werden. Warum auch immer.<br />
Bei Punkt 3.) allerdings scheiden sich die Geister und Ideologien und Selbstverständnisse und Logiken, hier bei diesem Punkt ist man sich nicht so einig, weniger wegen der Definition zur „Gesamtheit der kapitalkräftigen Unternehmen eines Landes“, als wegen der dazugehörigen Umsetzung, dem gesunden Mischungsverhältnis, dem Einmischen, dem Entmischen, dem Mitmischen, das manchmal auch als Maß bezeichnet wird. Bei Punkt 3 kommen wir nämlich irgendwie zum Kollektiv, da passen dann auch gleich Vater Staat und Mutter Nicht-Staat hinein, auch wenn das nicht so dezidiert da steht.<br />
Was wurde nicht schon alles um diesen „Kapital“ Begriff geschrieben, diskutiert, gestritten, gemordet, geheuchelt, gepackelt, gefeiert, jubiliert, beschönigt, verharmlost, heruntergespielt, philosophiert, intrigiert, interpretiert, gedeutet, theoretisiert und wieder und immer wieder diskutiert. Ergiebig ist das, sehr ergiebig, dieses Thema, dieser Begriff, der wie von selbst aus sich selbst Kapital zu schlagen scheint.<br />
Ja, so ist das mit den Definitionen, die sich rund um das „Kapital“ ranken, wohlgemerkt das groß geschriebene, dem wir vielleicht auch wegen dem großen „K“, dem so genannten Kapitalbuchstaben, so viel Bedeutung beimessen.</p>
<p>Aber wie ist es jetzt eigentlich um das klein geschriebene „kapital“ bestellt, von dem das Wörterbuch behauptet, dass es sich bei diesem, obwohl doch klein geschrieben, um dasjenige handelt, das von solcher Art gestaltet ist, dass es alles Vergleichbare übersteigt. Unter b) finden wir sogar einen Verweis auf die Jägersprache, in welcher es etwas außerordentlich Grosses und Starkes beschreibt. Gehen wir davon aus, dass es sich in diesem Falle nicht um Jägerlatein handelt, könnte das wiederum einen Hinweis dahingehend geben, dass sich das klein geschriebene und das groß geschriebene Kapital in Form eines kleinen Verwirrspiels einen Streich in unseren Köpfen erlaubt haben, in der Annahme, unsere Jagdinstinkte wären nach wie vor dermaßen ausgeprägt, dass es durchaus möglich wäre, wir könnten auch dem großen K hinterher jagen, mag manch einer diese Annahme auch als eine ausgeprägt boshaft Veranlagte verstehen. Dennoch könnte es sein, dass es uns zumindest nahe legt, nicht nur ständig nach dem Kleingedruckten zu suchen, sondern auch das Kleingeschriebene etwas aufmerksamer zu lesen.<br />
Mit dem klein geschriebenen „kapital“ wollen wir zumeist lieber etwas weniger zu tun haben, zu übermächtig ist das für unsere Begriffe, zu unangenehm, weil es häufig – bis auf den kapitalen Hirschen –  mit unangenehmen Dingen in Zusammenhang gebracht wird, wie z.B. kapitale Missstände, kapitaler Wahnsinn, kapitaler Misserfolg, kapitaler Unsinn, obwohl doch alle nach wie vor auf einen kapitalen Erfolg hoffen. Und genau dieser Zugang könnte sich als kapitaler Denkfehler entpuppen oder zumindest den einen oder anderen mit verursachen, wie uns schon die Bücher zeigen.</p>
<p>Die Bücher, ja die Bücher. Nun gibt es dieses eine Buch, das gehörige Probleme verursacht, eben weil es plötzlich deutlicher als je zuvor zu zerfallen begann. Das verursachte anfangs gleich ziemlich viel Panik und Verwirrung, aber vor allem Ratlosigkeit. In der einen oder anderen Ecke wurde dann im Zuge dessen doch ein klein wenig diskutiert, wobei man einige in die Jahre gekommene Büchlein aus den Abstellkammern herausholte, abstaubte, anglotzte, dann doch wieder zurück stellte, indem man sie wegdiskutierte, man heftig auf das Scheitern diverser früherer Buchbinder verwies und dabei nicht müde wurde, darauf hinzuweisen. Ganz hektisch wurden da manche, ganz kribbelig, fast schon panisch. Man wollte einfach zu gerne dieses eine Buch behalten, dieses eine feine, das zwar nicht „Kapital“ hieß, aber so ähnlich, und das für alle gedacht war. War das denn zu viel verlangt? Man hegte nämlich die weitläufige Meinung, dass es sich doch schon eine Weile größtenteils ganz gut bewährt hätte, aber das jetzige Desaster teilweise auch mit dem Inhalt des Buches in Verbindung zu bringen, davon wollte man gleich gar nichts hören, das war einfach zu gemein, nein, lieber nicht. Dabei übersah man völlig, dass auch dieses eine Buch bereits ein wenig in die Jahre gekommen war, einiges an Staub angesammelt, in letzter Zeit sogar sehr viel Staub aufgewirbelt hatte, inzwischen bereits einige höchst unterschiedliche Geschichten zu erzählen wusste.<br />
Es hatte damit begonnen, dass man dazu übergangen war, Bücher ohne Kapitalbänder herzustellen, aus Kostengründen auf solide gewobene Bänder verzichtet hatte, nur noch dünner Karton und Kleber und fertig. Wahrscheinlich hat man das gemacht, um mehr Bücher günstiger produzieren zu können und um dadurch wiederum mehr Bücher zu verkaufen. Dabei war durchaus klar, dass diese Bücher weniger lange halten würden, was aber, je nach Verwendungszweck, auch nicht immer notwendig war. Eigentlich verstanden die Buchbinder auch gar nicht, warum jetzt so ein Geschrei um etwas entstanden war, dass als allgemein gültige Logik anerkannt wurde.<br />
Wie auch immer, man stand völlig ratlos vor diesem einen Buch, das man auf keinen Fall zerfallen lassen wollte, und wenn man das nicht wollte, musste man sich folglich überlegen, was damit zu tun wäre. Somit versuchte man etwas gestresst, vielleicht um Zeit zu gewinnen, vorerst den Buchrücken behelfsmäßig zusammenzupappen, mit Kapital, versteht sich, dem Buchband. Das Heikle daran war, dass man bis dato leider keine entsprechende Bastelanleitung finden konnte, außer einer etwas Älteren, in der lediglich detailliert beschrieben stand, wie man es auf gar keinen Fall machen sollte. Das wiederum schlug lediglich vor, eine von vielen Möglichkeiten auf der Basis gemachter Erfahrungswerte besser nicht in Betracht zu ziehen. Über all die übrigen Möglichkeiten erteilte es allerdings keinerlei Auskunft. Die besagte Bastelanleitung beschrieb diejenige Buchsanierungsvariante, bei der man davon ausging, dass der Buchbinder schon wissen musste, was er getan hatte, und man das besser einfach so hinnehmen und abwarten sollte. Sehr vereinfacht ausgedrückt hoffte man sogar darauf, dass das Buch sich irgendwie wieder selber reparieren würde, was sich als ausgenommen schwierig herausstellte, weil allein das bloße Beobachten des Zerfalls mit der Zeit immer unerträglicher wurde, fielen doch zahlreiche Seiten einfach hinfort, einige davon sind uns heute noch als Bastelanleitung hinterblieben.<br />
Diesmal hat man auf alle Fälle beschlossen, es anders zu machen, sich zu eilen, sofort etwas zu unternehmen, und griff daher schnurstracks zum altbewährten Allzweckkleber. Und jetzt starrt man auf den Buchrücken und wartet, bis der Klebstoff trocknet, hofft darauf, dass er überhaupt trocknet, bangt darum, den richtigen Klebstoff ausgewählt zu haben, überlegt inzwischen sogar, sich vorsorglich schon einmal gegenseitig zufrieden auf die Schultern zu klopfen, weil ohnedies kaum noch jemand hinsieht.</p>
<p>Wir sind durchaus dazu geneigt, es als ein Kapitalverbrechen anzusehen, wenn diverse Kapitaleigner oder Kapitalverwalter Kapitalflucht betreiben, oder zumindest fördern, vor allem, wenn es dieses eine Buch des Allgemeinheit betrifft, was dann in der Folge wiederum äußerst kapitalintensiv korrigiert werden muss. Richtig ungehalten können wir dabei werden. Betrachtet man die Definition von klein „kapital“ a) im Zusammenhang mit dem verschwundenen Kapitalband, haben die betreffenden Personen oder Sachen tatsächlich alles Vergleichbare überstiegen, entziehen sich unserem aktuellen Wissensstand, unseren bisherigen Meinungen, unseren Erfahrungshorizonten. Die betreffenden Personen oder Sachen, die wir für die Verursacher dieser Krise halten oder zumindest gerne halten würden. Bei dieser Meinungsbildung hat der eine oder andere vorsorglich auch gleich alle verfügbaren sich in unmittelbarer Umgebung befindlichen Spiegel abmontiert, um nicht daran erinnert zu werden, dass man selber ja auch im Grunde irgendwie mitten drin steht und möglicherweise den einen oder anderen kleinen Beitrag zu dem Durcheinander leistet bzw. geleistet hat, mit dem man jetzt allerdings unter gar keinen Umständen in Verbindung gebracht werden möchte, es sei denn – in demütig gebeugter Opferhaltung. Und dass so eine Haltung auf Dauer äußerst ungesund ist, so ständig gebeugt, das wissen wir, wir wissen, dass wir auch gar nicht so viele Orthopäden, Chiropraktiker oder Physiotherapeuten haben, die uns aus diesem Schlamassel helfen könnten.<br />
Kollektives Umdenken ist zu viel verlangt.  - Kollektives Umdenken ist zu viel verlangt? - Nur nicht, wenn es unbedingt sein muss! – Also gut, wie wäre es mit kollektivem Andenken? – Noch schlimmer! Andenken hat zu viele Bedeutungen, Assoziationsstress mit Vergänglichkeit! – Hm. Da ist was dran. Vielleicht kollektives Denken? – Error. Unbekannt. Kollektiv kann keinen klaren Gedanken fassen. Jetzt schon gar nicht mehr. Stress. Systemüberlastung. Error. – Ach du meine Güte! Aber ein bischen Nachdenken wird doch zumindest noch erlaubt sein? – Error. Muss ebenfalls wegsaniert werden. Viel zu kompliziert. Sparprogramme. Error. – Ja, und was sollen wir dann machen? – Augen zu, Luft anhalten, Bauch einziehen, hoffen, beten, noch kräftiger in die Pedale treten. – Aber der Vorderreifen hat doch einen Platten! – Eben, deswegen noch kräftiger in die Pedale treten! Wird schon wieder werden! Wir schaffen das! – Wird das nicht ein bißchen - holprig? – Und wenn schon. – Wir könnten aber doch kurz anhalten, uns das Rad genauer ansehen und es reparieren. – Scheiß drauf! Keine Zeit. Zu spät! Weiter geht’s! – Error.</p>
<p>Was auch immer ist, ist. Was auch immer durch uns ist, ist verbesserungswürdig. Grundsätzlich. - Damit die Bücher nicht mehr so schnell zerfallen, damit die Bücher nicht mehr weiter zerfallen….Die Auftragsbücher, aber auch die Tagebücher, die Kochbücher, die Schulbücher, die Sachbücher, die Literaturbücher, die Gipfelbücher, die Wörterbücher. Damit wir dann am Ende, nachher, nicht wieder alle zwangsläufig wie kapitale Hirsche da stehen.</p>
<p>Wie wir aber bereits zu Anfang besprochen haben, gäbe es da ja auch noch andere Möglichkeiten einer Buchsanierung, viele verschiedene Möglichkeiten, eine ganze Palette gäbe es da, mit dieser Situation umzugehen.<br />
Zu  diesen Möglichkeiten gehören selbstverständlich, die Hände in den Schoß zu legen und einfach den Zerfall des Buches hinzunehmen, sich eine neue Buchverwendungsweise anzulernen, der den Umgang mit einem halbzerfledderten Buch erleichtert, aber auch die Möglichkeit, die Buchbindetechnik weitestgehend selbst zu erlernen, um sich dadurch von den Buchbindern etwas unabhängiger zu machen, und um nicht darauf angewiesen zu sein, darauf zu hoffen, dass irgendjemand für das eigene Tagebuch oder das Kochbuch einen großen Plan zur Verfügung stellt.<br />
Als ergänzende Möglichkeit steht natürlich noch diejenige zur Verfügung, direkt zu dem oder zu den Buchbindern zu gehen und das Produkt zu reklamieren, bzw. zu verlangen, dass das Buch wieder fachgerecht hergerichtet wird. Wahrscheinlich wird man sofort in die Defensive gehen und behaupten, das ginge aus diesem und jenem Grunde nicht oder man hätte ohnedies bereits etwas in der Art gemacht, wird versuchen, sich im Zuge dieser Angelegenheit als ausgesprochen kapitelfest darzustellen, wobei man allerdings nicht verzagen sollte, da diese Vorgehensweise im Zuge von Reklamationsbearbeitungen durchaus üblich ist, vor allem, wenn es sich um ein Buch kapitalen Ausmaßes handelt. Sollten sich die Buchbinder als besonders beharrliche Kerlchen herausstellen, könnte man versuchen, ihnen weiterzuhelfen, indem man z.B. verlangt, mehrere Kapitalbänder zu verwenden, um so die gewünschte dauerhaftere Qualität zu erreichen oder aber, sollten sie selbigen Vorschlag noch immer hartnäckig von sich weisen, überhaupt gleich an neuen Buchbindetechniken zu arbeiten. Diesem Vorschlag wird man unter immerwährender Garantie entgegnen, dass man selbiges ohnedies bereits mache, wenn auch ein klein wenig schüchtern und kaum bemerkbar oder höchst geheim, was man gleichermaßen als Aufforderung verstehen sollte, zu einem weiteren Vorschlag überzugehen, nämlich demjenigen, das Buch im Zuge der Sanierungsmassnahmen auch gleich zu überarbeiten, vielleicht das eine oder andere Kapitel als nicht mehr zeitgemäß oder überaltert anzusehen, die Einzelseiten einfach wegflattern zu lassen oder dafür zu sorgen, dass sie gefälligst weggeflattert werden. Sollte einem das nicht als ausreichend erscheinen, kann man auch getrost darauf hinweisen, dass es durchaus sinnvoll wäre, einige neue Kapitel als Ergänzung hinzuzufügen.<br />
Ich meine, es ist ja nicht so, als ob das noch nie passiert wäre, dass man die eine oder andere Seite des Buches entfernt und da und dort ein neues Kapitel hineingemogelt hätte, so etwas passiert schon immer wieder, wenn man auch kein großes Geschrei darum macht. In den letzten Jahren allerdings war es auffällig, dass vor allem die Buchhalter gerne an neuen Kapiteln schrieben, obwohl sie doch lieber Bücher frisieren, sowie die Buchmacher, obwohl sie doch gar keine Bücher machen. Und so wurden einige Kapitel immer einseitiger, immer Übergewichtiger auf einer Seite, so einseitig, dass sich das Buch sogar aus den beharrlichen Umklammerungen der Buchhalter gelöst hat. Da könnte man durchaus in aller Ruhe fordern, dass auch noch andere Gruppen Seitenergänzungen einfügen dürfen. So eine sinnvoll überarbeitete Neuauflage hat ja üblicherweise auch etwas zu bieten. Denn, das ist ja ein altbekanntes Phänomen, wenn die Bedürfnisse der Buchbenutzerschaft keinen Ausdruck finden, sehen auch die Buchbinder keinerlei Veranlassung, etwas anderes zu versuchen.<br />
Bleiben noch die Möglichkeiten, die sich zum Beispiel in derjenigen Meinung widerspiegeln, man solle doch einfach das ganze Buch als solches Entsorgen und ein neues Schreiben. Vielen erscheint dieser Zugang als zu radikal oder hinterlässt ein mulmiges Gefühl aufgrund der ureigenen Schreibblockaden oder wirkt sogar Furcht einflößend, obwohl es selbstverständlich ebenfalls eine weitere Möglichkeit darstellt, einen Sanierungsvorgang vorzunehmen.<br />
Schlimmer noch, man könnte sogar hergehen und verlangen, etwas gegen den Analphabetismus zu unternehmen, damit jeder in die erbauliche Lage käme, überhaupt erst einmal den Titel des besagten Buches lesen zu können, um dadurch auch in die Möglichkeit zu kommen, an neuen Buchbindetechniken mitzuarbeiten. Verkaufen könne man dann ja in weiterer Folge auch wieder mehr Bücher, so als kleiner Nebeneffekt. Ich meine, man hat uns ja ohnedies bereits mitgeteilt, dass wir alle gefordert sind - gefordert sind wir alle.<br />
So viele verschiedene Möglichkeiten gäbe es da, so viele Möglichkeiten. Eine ganz breite Palette, bei der man innbrünstig darauf hoffte, dass sich schon irgendein anderer darum kümmern würde, eines Tages, irgendwann.</p>
<p>Vielleicht würde dem Kapital auch das eine oder andere neue Kapitel gefallen, keine Ahnung. Hat es mal jemand gefragt? Wobei wir wieder einmal bei dem a und dem e, dem klitzekleinen schlagkräftigen Unterschied der beiden Begriffe „Kapital“ und „Kapitel“ gelandet wären. Kapital – Kapitel. Wenn man so möchte, unterscheidet sie möglicherweise doch nur ein Buchstabe.  - Oder? </p>
<p>i(m) A(breisefieber) Martina Hirnschraubenzieher</p>
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		<title>SCHRAUBENZIEHERWEISHEIT Nr. 81</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 16:36:04 +0000</pubDate>
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i.A. Martina Hirnschraubenzieher
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<p>i.A. Martina Hirnschraubenzieher</p>
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		<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 14:39:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ein Schritt, ein Schritt, ein Schritt, ein Schritt. Ein Mehrzahlwort. Schritte. Und noch eines. Schritte. Und noch eines. Schritte. Und noch eines. Schritte. Und noch eines. Schritte. Bis zur Unzählbarkeit laufen, bis zur Unendlichkeit rennen, bis in alle Ewigkeit verlaufen.
Nie überkreuz, meistens nach vorne, seltener zurück, nicht ohne zu stolpern. Da, ein Ziel! Schon wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Schritt, ein Schritt, ein Schritt, ein Schritt. Ein Mehrzahlwort. Schritte. Und noch eines. Schritte. Und noch eines. Schritte. Und noch eines. Schritte. Und noch eines. Schritte. Bis zur Unzählbarkeit laufen, bis zur Unendlichkeit rennen, bis in alle Ewigkeit verlaufen.<br />
Nie überkreuz, meistens nach vorne, seltener zurück, nicht ohne zu stolpern. Da, ein Ziel! Schon wieder verfehlt, unzählige Ziele, weil man nie seitwärts laufen kann, ohne das Gefühl zu haben, der Weg sei einfach viel zu kurz gewesen. Also weiter! Weiter! Bis ans Ende, <span id="more-178"></span>bis über die Linie, bis an das Ziel der Ziellosigkeiten, die unermüdlich aus sich selber neu entstehen, keine Angst davor haben, sich aus sich selbst zu reproduzieren, sich bis zum Irrsinn zu vervielfältigen, unendlich aufzublähen, sich wichtiger zu nehmen, als sie sind, sich zu erweitern, zu zerteilen, zu verwickeln, ein neues Gedankengebäude aus sich selbst zu stricken bis sie alle unter einem großen Haufen undefinierter Erwartungshaltungen begraben. Das nimmt den Atem. Man ringt nach Luft, beginnt um sich zu schlagen, versucht sich zu bewegen, beginnt wieder zu laufen, was in dieser Situation nicht geht, verwickelt sich immer mehr, erblickt ein Stück Licht, konzentriert sich, attackiert den Haufen gezielt an dieser Stelle, bohrt mit den Finger gen Himmel, schaufelt sich ein Atemloch, weiß nicht, was noch kommen soll, weiß nicht, was noch kommen kann, weiß nichts mehr. Ein Schritt, anderswo. Ein Schritt, ein Schritt, ein Schritt. Ein Mehrzahlwort. Schritte. Diesmal läuft ein kurzer Gedanke, glasklar, sucht seinen Weg durch Nervenbahnen, springt über Synapsen, schlägt zahlreiche Saltos auf seinen Weg, versucht sich in einem Gedankengewirr aus Stimmen Gehör zu verschaffen. Ein Ideenblitz hätte entstehen können. Aber, sieh doch! Er schoss über die Ziellinie hinaus, das Ziel der Ziellosigkeiten, die unermüdlich aus sich selber neu entstehen, keine Angst davor haben, sich aus sich selbst zu reproduzieren, sich bis zum Irrsinn zu vervielfältigen, unendlich aufzublähen, sich wichtiger zu nehmen, als sie sind, sich zu erweitern, zu zerteilen, zu verwickeln, ein neues Gedankengebäude aus sich selbst zu stricken bis sie alle Gedanken unter einem großen Haufen undefinierter Ideen begraben. Das nimmt das Denken. Man ringt nach elektrischen Reizen, beginnt um sich zu schlagen, versucht sich zu bewegen, beginnt wieder zu laufen, was in dieser Situation nicht geht, verwickelt sich immer mehr, erblickt ein Stück Licht, konzentriert sich, attackiert den Haufen gezielt an dieser Stelle, bohrt mit den Finger gen Himmel, schaufelt sich ein Atemloch, weiß nicht, was noch kommen soll, weiß nicht, was noch kommen kann, weiß nichts mehr. Ein Schritt, anderswo. Ein Schritt, ein Schritt, ein Schritt. Ein Mehrzahlwort. Schritte. Diesmal läuft eine sprühende Idee, die noch nicht gedacht wurde, unbekannt dafür alles lösend, schießt durch die Kopfhaut, zieht dabei schraubenförmige Spuren, die nie jemand sehen wird, flüstert verzweifelte Gedankenfetzen, die nie gehört werden, verheddert und verfängt sich zwischen ihren eigenen tentakelartigen Beinen, die sie nie hatte, fällt, bleibt liegen, landet im nirgendwo und lebte nie, weil sie nie gelebt wurde. Dazu spielt ein Orchester einen Trauermarsch für etwas, das ohnedies nie da war, somit nie von Belang werden konnte, in ewiger Trauer um etwas, das man nie vermissen würde. Man hält eine Grabesrede und mutmaßt über die Idee, die niemals da war, über ihre Eigenschaften, die es nie gab, über ihren Lebensweg, der weit vor dem Anfang endete. Eine Schaufel Erde. Und noch eine. Ein Mehrzahlwort. In ewiger Trauer über gar nichts. </p>
<p>i(n) A(pfelsinenscheibchen) Martina Hirnschraubenzieher</p>
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