Leitungen erscheinen uns in den verschiedensten Formen als wichtig und ueblicherweise geht man davon aus, dass sie, wenn sie schon vorhanden sind, auch funktionieren. Tun sie das nicht, geht man gleichermassen davon aus, dass dem auch entsprechend entgegen gewirkt wird.
Nicht so in Tobolsk, einem kleinen Staedtchen Sibiriens, das man gerade fuer touristische Zwecke heruaszuputzen versucht, sich dabei bisher allerdings lediglich auf die zentralen Bauwerke beschraenkte, touristische Infrastruktur jedoch noch weitgehende ignorierte.
So kam es denn in Tobolsk zu jener unverhofften Situation, dass wir in Ermangelung vorhandener Cafes oder Restaurants vom Hunger getrieben auf unser Hotelzimmer zurueckkehrten, um uns dort an unserem mitgefuehrten Reiseproviant entsprechend zu laben. Als wir voller Vorfreude auf die vermeintliche Verkoestigung das Zimmer betraten, irritierten uns seltsame Geraeusche, wie sie ublicherweise nur Fluessigkeiten in groesseren Mengen von sich zu geben pflegen. Ein kurzer Blick in das als Geraeuschquelle identifizierte Badezimmer genuegte, um festzustellen, dass die Bewohner des Zimmers ueber uns ganz offensichtlich duschten. Die halb weggebrochene Badezimmerdecke war uns zwar bereits zuvor ins Auge gestochen, dass sie allerdings nicht Ausdruck eines langsam dahin sickernden Dichtungsproblems darstellte, war uns bis zu dem Moment als wir den Duschbereich ohne eigenes Zutun als duschbereich definieren konnten, nicht klar. Fasziniert und gleichermassen fassungslos betrachteten wir die Rinnsale und Tropfenspiele in dem Teilbereich der gemieteten Raeumlichkeiten, um uns letztlich schulterzuckend doch wieder dem fundamentaleren Beduerfniss der Nahrungsuafnahme zuzuwenden, anstatt hektisch der Rezeptionistin auf nicht-russisch nichts erklaeren zu koennen. Die Dusche hatte logischerweise auch irgendwann ein Ende, sowie das Plafongetropfe in unserer Etage. Nicht ohne Grund schien man in diesem Hotel an allen Ecken und Enden mit grossflaechig angelegten Sanierungsmassnahmen beschaeftigt zu sein.
Letztere Ambitionen konnte man im schick designten und glamouroes ausgestaten Bahnhof in Omsk vorerst noch nicht orten, obwohl dort doch ein einzelner Blecheimer mitten in der pulsierenden Schalterhalle mit lauten regelmaessigen Trommelschlaegen der Tropfen nach dem Regen deutlich darauf hinwies, dass es durchaus angebracht sei, gelegentlich den eigenen Blick zur hoch darueber liegenden Raumdecke zu erheben, und sich wasserfestere Argumente zum Erhalt des ewig Schoenen auszudenken.
i.A. Martina F.
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