Da die aktiven Berufsgruppen Russlands hauptsaechlich aus Frauen zu bestehen schienen, kamen wir nicht umhin, auch mit einer speziellen Variante der weiblichen Bevoelkerung konfrontiert zu werden, die wir - mehr oder eigentlich viel weniger liebevoll - “Matronas” zu nennen pflegten. Dabei handelte es sich um Frauen vorzugsweise ueber 50 Lenzen, manches Mal von korpulenter Natur, immer jedoch mit Kurzhaarfrisur, die schnell und einfach durch ihr versteinertes Minenspiel zu identifizieren waren. Aufgrund der wenig herzerwaermenden Atmosphaere, die sich wie ein eisiger Mantel um sie sowie ihr Umfeld im Umkreis von ca. 5 m legte, und des bereits erwaehnten Minenspiels wirkte es durchaus so, als haetten die “Matronas” bereits mit oder auch gegen die Bolschewiken gekaempft, und damit im Grunde nie aufgehoert. Jedes erneut auftauchene Gegenueber beschwor somit gleichsam einen neuerlichen Klassenkampf herauf, auch wenn es darum thematisch eigentlich gar nicht ging.
Die “Matronas” wurden von uns zutiefst gefuerchtet, da sie ueblicherweise roboterhaft russischen Texte vor sich hindonnerten, Gestiken verweigerten, und ueberhaupt alles, was in dem Programm, das sie runterspulten, nicht vorhanden war, hartnaeckig zu ignorieren versuchten. Fremdlinge wie wir erschienen da bestenfalls wie ein gefundenes Fressen, das zerkaut, widergekaeut, hernach jedoch fuer ungeniessbar erachtet und wieder ausgespuckt wurde. Auf alle Faelle waren die “Matronas” dafuer beruehmt, sich keinen Millimeter aus ihrer Starre zu bewegen, und es erschien relativ muehevoll, ihnen ein Zugticket, eine Internetverbindung oder sonst etwas abzuringen. Unser geschulter Blick lies uns mit der Zeit die “Matronas” in Form von Schalterbeamtinnen geschickt vermeiden, indem wir uns zuerst um die Schalterfenster herumschlichen, um selbige eingehend zu inspizieren und ein geeignetes Opfer unserer Wahl (ublicherweise hilfsbereite Frauen zwischen 30 und 40 Lenzen) geschickt anzupeilen. Gluecklicherweise konnten wir feststellen, dass es nicht mehr viele von den “Matronas” gibt und - es werden immer weniger.
i.A. Martina F.
(Ansichtenkarten beschreiben willkuerlich gewaehlte Ansichten, mit Anspruch auf absolute Subjektivitaet)
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